Dietrich von Saucken Er schlug auf Hitlers Tisch – und überlebte

 

Kannst du dir vorstellen, mit dem   Schwert am Gürtel und Monokel im Auge   vor dem Führer zu stehen? Kannst du dir   vorstellen, deine Faust auf seinen   Kartentisch zu schlagen und zu sagen:   “Ich habe nicht die Absicht, Herr   Hitler, Befehle von einem Gauleiter   entgegenzunehmen.”   Ein Mann tat genau das im März 1945   und überlebte.

 

  Dietrich von Sauken verteidigte   Ostpreußen, als Deutschland längst   verloren war.   Aber wie konnte ein General, der Hitler   offen trotzte, nicht nur überleben,   sondern auch die höchste militärische   Auszeichnung des Dritten Reiches   erhalten?   In diesem Video zeigen wir dir die   unglaubliche Geschichte eines Mannes,   der zwischen Pflicht und Prinzipien   stand.

 

  Dietrich von Sauken wurde am 16. Mai   1892 in Fischhausen Ostpreußen geboren.   Er war der Sohn eines Landrats, also des   obersten Verwaltungsbeamten eines   Landkreises.   Seine Familie verkörperte seit   Generationen den preußischen Adel.   Diszipliniert, pflichtbewusst und tief   in militärischen Traditionen verwurzelt.

 

  Die Familie von Sauken konnte ihren   Stammbaum bis ins 14. Jahrhundert   zurückverfolgen. Eine Jahrhundertealte   Tradition des Dienstes für Preußen.   Als Kind besuchte Sauken das Kollegium   Friederzianum, ein prestigeträchtiges   Gymnasium in Königsberg, wo er 1910 sein   Abitur ablegte.   Diese Schule hatte eine lange Tradition   in der Ausbildung der preußischen Elite.

 

  Seine Klassenkameraden erinnerten sich   später an einen zurückhaltenden, aber   entschlossenen jungen Mann, der sich   durch akademische Exzellenz   auszeichnete.   Der junge Dietrich zeigte bemerkenswerte   künstlerische Fähigkeiten. Seine Mutter   und der Direktor des Gymnasiums, Georg   Ellend, förderten sein Talent.

 

  Er besuchte regelmäßig Niiden, das   heutige Nida in Litauen, wo ihn die   dortige Künstlerkolonie inspirierte.   Die Künstlerkolonie Niiden war ein   Treffpunkt für expressionistische   Künstler und der junge Sauken verbrachte   ganze Sommer damit, die Landschaften der   kurischen Nährung zu skizzieren. Seine   Zeichnungen zeigten feine Linienführung,   ein Gespür für Details und eine   bemerkenswerte Fähigkeit, Atmosphäre   einzufangen.

 

  Sauken träumte davon, Künstler zu   werden. Er stellte sich ein Leben in   Paris oder München vor in den   Bohèmkreisen der Vorkriegszeit.   Doch die Familientradition überwog. Sein   Vater, ein pflichtbewusster preußischer   Beamter, machte deutlich, daß ein von   Zauken der Krone diente, nicht der   Kunst.   Am 1.

 

 Oktober 1910 trat er als   Fahnenjunker in das Grenadierre König   Friedrich Wilhelm. ein, eines der   ältesten preußischen Regimente mit Sitz   in Königsberg.   Es war ein schmerzhafter Abschied von   seinen künstlerischen Ambitionen.   Am 19. Juni 1912 wurde er zum Leutnand   befördert. Die folgenden zwei Jahre   waren eine Zeit intensiver militärischer   Ausbildung.

 

 Er lernte die Kunst des   Kavalleriegefechts, studierte Taktik und   Geschichte. Seine Vorgesetzten bemerkten   seine Fähigkeit, klar zu denken, auch   unter Druck. eine Eigenschaft, die in   den kommenden Jahren von unschätzbarem   Wert sein würde.   Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg   aus und Zaukens Leben nahm eine   dramatische Wendung.

 

 Er kämpfte an der   Ostfront in den Schlachten von   Stallopönen, Gumbinnen und Tannenberg.   Diese frühen Schlachten waren chaotisch   und von hoher Intensität geprägt. Bei   Tannenberg, der legendären deutschen   Einkreisung der russischen Zweiten   Armee, erlebte Sauken erstmals das volle   Ausmaß moderner Kriegsführung.   Im Oktober 1914 erhielt er das eiserne   Kreuz zweiter Klasse.

 

 Der Preis war   allerdings hoch. Sauken wurde zum ersten   Mal verwundet. Ein Schrapnellsplitter   traf seine Schulter. Nach einer kurzen   Erholung kehrte er an die Front zurück.   1916 wurde er an die Westfront verlegt,   wo ihn Werd erwartete.   Die Schlacht von Verda war eine der   längsten und verlustreichsten Schlachten   der Menschheitsgeschichte.

 

  Fast ein Jahr lang warfen beide Seiten   Männer und Material in einen   Abnutzungskampf, der über 700.000 Leben   kostete.   Sauken kämpfte in diesem Inferno Monat   für Monat. Im Mai 1916 erhielt er das   eiserne Kreuz erster Klasse, eine   Auszeichnung, die normalerweise nur für   außergewöhnliche Tapferkeit verliehen   wurde.

 

 Später kämpfte er in den   Karpaten, jener gebürgigen Region   zwischen dem heutigen Polen, der   Slowakei und Rumänien. Die Kämpfe dort   waren ebenso verlustreich, verschärft   durch das schwierige Gelände und die   extremen Wetterbedingungen.   Der Krieg hinterließ tiefe Spuren.   Sauken wurde sieben mal verwundet. Sein   Körper trug die Narben dieser   Auseinandersetzungen.

 

  Eine Wunde an seinem Bein führte zu   einem leichten Hinken, das ihn für den   Rest seines Lebens begleiten sollte.   Für seine Leistungen in der deutschen   Frühjahrensive und der Hund Tageo   Offensive erhielt er das Ritterkreuz des   königlichen Hausordgens von hohen   Zollern mit Schwertern und das   österreichische Militärverdienstkreuz.

 

  Als der Krieg 1918 endete, war Sauken   zum Hauptmann befördert worden, mit 26   Jahren bereits ein hochdekorierter   Offizier.   Doch der Krieg hatte ihn verändert.   Nach dem Krieg diente er in den   Freikorps, paramilitärischen Einheiten,   die in den chaotischen Nachkriegsjahren   operierten.   1921 trat er der Reichswehr bei, der   kleinen, aber professionellen Armee, die   Deutschland nach dem Versailler Vertrag   erlaubt war.

 

  Von 1927 an wurde er in die Sowjetunion   entsandt. Eine geheime Kooperation   zwischen Deutschland und der UDSSR, die   es der Reichswehr ermöglichte, moderne   Waffentechnologie zu testen und zu   entwickeln, entgegen den Beschränkungen   des Versa Vertrags.   In der Sowjetunion lernte Sauken nicht   nur russisch, sondern studierte auch   sowjetische Militärtaktiken.

 

  Diese Erfahrung sollte später von   erheblichem Wert sein, als er gegen die   rote Armee kämpfte.   Er verstand ihre Denkweise, ihre Stärken   und Schwächen.   1934 wurde er zum Major befördert und   als Ausbilder an die Kriegsschule   Hannover versetzt. Hier bildete er die   nächste Generation deutscher Offiziere   aus.

 

 Seine Schüler erinnerten sich an   einen strengen, aber fairen Lehrer, der   auf Disziplin und taktisches Denken   bestand.   Am Isten Juni 1939,   kurz vor Kriegsausbruch, erhielt er den   Rang eines Obersts.   Als der Zweite Weltkrieg begann, diente   Sorgen zunächst im Polenfeldzug von   1939.   Seine Führungsqualitäten und sein   taktisches Geschick fielen auf.

 

 Im   Herbst 1940 übernahm er das Kommando   über die vierte Schützenbrigade der   vierte Panzerdivision.   Diese Division war eine der   Eliteeinheiten der Wehrmacht.   ausgestattet mit modernen Panzern und   gut ausgebildeten Soldaten.   Als Operation Barbarossa der deutsche   Überfall auf die Sowjetunion im Juni   1941 begann, war Sautens Brigade an   vorderster Front dabei.

 

 Die ersten   Wochen verliefen aus deutscher Sicht   erfolgreich, doch bald wendete sich das   Blatt.   Ende 1941   übernahm er das Kommando über die   gesamte vierte Panzerdivision, die in   die Schlacht um Moskau verwickelt war.   Die Schlacht um Moskau war Hitlers   Versuch, die sowjetische Hauptstadt vor   Wintereinbruch zu erobern.

 

 Doch der   russische Winter kam früh und mit   extremer Härte. Temperaturen fielen auf   -40°CUS.   Am. Januar 1942   wurde Sauten zum Generalmajor befördert,   ein bemerkenswerter Aufstieg. Doch am   nächsten Tag, den 2. Januar 1942,   wurde er schwer verwundet. Bei   Abwehrkämpfen um die Stadt Wolchow traf   ihn ein Schrapnellsplitter am Kopf.

 

 Ein   großer Teil seiner linken Augenbraue und   Stirn mußte operativ entfernt werden.   Diese Verletzung hinterließ sichtbare   Narben, die sein Gesicht für den Rest   seines Lebens zeichneten.   Er verbrachte mehrere Monate im   Krankenhaus.   Erst im August 1942 kehrte er zurück,   zunächst in Ausbildungsrollen als   Kommandeur der Schule für schnelle   Truppen in Kramptnitz, bevor er am 1.

 

  April 1943 zum Generalleutnand aufstieg.   Im Mai 1943   kehrte Sauken an die Front zurück und   übernahm erneut das Kommando über die   vierte Panzerdivision.   Er führte sie während der Schlacht bei   Kurk im Sommer 1943   der größten Panzerschlacht der   Geschichte. Operation Zitadelle, wie die   deutsche Offensive genannt wurde, sollte   die sowjetische Front durchbrechen und   die Initiative im Osten zurückgewinnen.

 

  Doch die Sowjets waren vorbereitet. Sie   hatten tiefe Verteidigungslinien   angelegt mit Minenfeldern, Panzergräben   und strategisch platzierten Geschützen.   Die Schlacht entwickelte sich zu einem   verlustreichen Abnutzungskampf. Sauken   führte seine Division mit Geschick, aber   selbst sein taktisches Können konnte   nicht verhindern, dass die deutsche   Offensive scheiterte.

 

  Nach Kursk verschob sich der Krieg   endgültig. Von nun an befand sich die   Wehrmacht auf dem Rückzug. Im Juli und   August 1943   während der sowjetischen Operation   Kutusov bewährte sich Saukens Division   erneut.   Seine Division verteidigte ein Gebiet   südlich von Orell bei Yablonowetz. In   intensiven Kämpfen zerstörten seine   Truppen 62 sowjetische Panzer und   vereitelten damit einen feindlichen   Durchbruch.

 

 Diese Leistung brachte ihm   am 22. August 1943   das Ritterkreuz mit Eichenlaub ein. Die   Verleihung dieser Auszeichnung.   Im Wehrmachtbericht vom 3. Dezember 1943   wurde er namentlich erwähnt, eine   seltene Ehre. Später während der harten   Verteidigungsschlachten um Gomel Ende   1943   führte Sauken seine Division mit solcher   Geschicklichkeit, dass ihm am 31.

 

 Januar   1944   die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen   wurden. Er war die 46. Person, die diese   Ehre erhielt.   Im Juni 1944   führte die Sowjetunion die Operation   Bagration durch, benannt nach einem   russischen General aus den   napoleonischen Kriegen. Es war eine der   erfolgreichsten militärischen   Operationen der Geschichte.

 

 Innerhalb   von wenigen Wochen überrollte die rote   Armee die deutsche Heresgruppe Mitte,   vernichtete 28 Divisionen und tötete   oder gefangen über 400.000 Deutsche   Soldaten.   Sauken, der gerade als stellvertretender   Kommandeur des dritten Panzerkors   diente, erlebte diesen Zusammenbruch   hautnah.   Als seine Einheiten unter dem massiven   sowjetischen Angriff zusammenbrachen,   wildete er aus den Überresten mehrerer   zerstörter Einheiten die Kampfgruppe von   Zauken.

 Diese bestand hauptsächlich aus   Elementen der fünften Panzerdivision,   der 170. Infanterie Division und dem   505. schweren Panzerbataillon.   Die Situation war verzweifelt. Die   sowjetischen Streitkräfte überwogen im   Verhältnis 10:1.   Aber Sauken weigerte sich aufzugeben.   Während der sowjetischen Offensive auf   Minsk gelang es seiner Kampfgruppe   vorübergehend einen Fluchtweg über die   Beresina offenzuhalten.

 

 Jenen Fluss, an   dem Napoleon 1812 seine Armee verloren   hatte.   Durch geschickte Führung ermöglichte   Sauken tausenden deutschen Soldaten die   Flucht. Diese außergewöhnliche Leistung   wurde am 5. Juli 1944   im Wehrmachtbericht erwähnt. Am 1.   August 1944   wurde er zum General der Panzertruppe   befördert.

 

 Seine Kampfgruppe wurde   offiziell als Trissigonen Panzercore   bezeichnet. Ende September 1944   verließ Sauken dieses Kommando, um die   Führung des neu aufzustellenden   Panzerchor Großdeutschland zu   übernehmen. Dieses Chor bestehend aus   Elitedivisionen wie der Panzergrenadier   Division Großdeutschland und der   Panzergrenadier Division Brandenburg   sollte eine starke Armeeeserve werden.

 

  Doch das Schicksal hatte andere Pläne.   Im Januar 1945   starteten die Sowjets die Weichsel OD   Offensive, einen massiven Vorstoß, der   sie von der Weichsel bis zur Oder tragen   sollte. Das noch unvollständige   Panzerchor Großdeutschland wurde geteilt   und die Hälfte, einschließlich Sauken,   wurde nach Osten beordert, um diesen   Vorstoß zu stoppen.

 

 Es war eine   aussichtslose Aufgabe. Sauken führte das   Chor bis Februar 1945,   als er von Generaloberst Heinz Guderian,   dem Generalstabschef des Heeres, in die   Führerreserve versetzt wurde. Der Grund   war ein Streit über die Sinnlosigkeit,   den Krieg fortzusetzen.   Zacken hatte öffentlich erklärt, dass   der Krieg nicht mehr zu gewinnen sei und   dass die Fortsetzung der Kämpfe nur zu   weiterem Blutvergießen führen würde.

 

 Das   Gespräch zwischen Guderian und Sauken   war angespannt gewesen. Guderian, selbst   ein talentierter Panzergeneral, sah die   militärische Realität genauso klar wie   Sauken.   Aber als Generalstabschef musste er   Hitlers Befehle ausführen. Diese Aussage   hätte Sauken normalerweise das Leben   kosten können.

 

 Defetismus war ein   Kapitalverbrechen,   doch Guderian hatte trotz der   Meinungsverschiedenheit eine hohe   Meinung von Saukens militärischen   Fähigkeiten. Er beschrieb sie später als   herausragend.   In seinem Buch Erinnerungen eines   Soldaten schrieb Guderian später:   “Generäle Nering und von Sauken   vollbrachten in jenen Tagen in   Ostdeutschland Leistungen militärischer   Virtuosität, die nur die Feder eines   neuen Xenophon angemessen beschreiben   könnte.

 

”   Das war hohes Lob. Sauken verbrachte   vier Wochen in der Führerreserve eine   quälende Zeit.   Er wußte, daß draußen seine Heimat   Ostpreußen unter sowjetischem Angriff   stand. Dann am 12. März 1945   wurde er nach Berlin gerufen.   Deutschland lag in Trümmern. Die rote   Armee hatte bereits weite Teile   Ostpreußens erobert.

 

 Die westlichen   Alliierten hatten den Reihen überquert.   Das Dritte Reich war nur noch Wochen von   seinem Ende entfernt.   Und doch hatte Hitler ihn zurückgerufen.   Was dann geschah, ist legendär.   Hauptmann Gerhard Bold, ein Augenzeuge   und selbst ein ausgezeichneter   Kavallerieoffizier,   beschrieb die Szene später ausführlich   in seinem Buch Die letzten Tage der   Reichskanzlei.

 

  Sauken betrat Hitlers Hauptquartier auf   eine Weise, die jeden anderen das Leben   gekostet hätte.   Er war schlank und elegant, die   Verkörperung eines preußischen   Kavallerieoffiziers.   Er trug sein Kavallerieschwert an der   linken Seite, obwohl Offizieren seit dem   gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944   strikt verboten war, Waffen in Hitlers   Gegenwart zu tragen.

 

 Sein Monokel saß   fest in seinem rechten Auge, ein   weiteres Symbol seiner aristokratischen   Herkunft.   Und als er vor Hitler stand, gab er   einen militärischen Salut und eine   leichte Verbeugung, aber keinen Nazigruß   mit ausgestrecktem Arm und Heil Hitler   ruf, wie es seit Juli 1944   für alle Offiziere in Hitlers Gegenwart   Vorschrift war.

 

 Das waren drei   gleichzeitige Verstöße gegen die Regeln.   Bol schrieb später: “Es waren drei   Ungeheuerlichkeiten auf einmal.   Die anwesenden, darunter General Oberst   Guderian und Martin Bohmann, Hitlers   mächtiger Sekretär, schienen zu Stein   erstarrt. Ihre Gesichter erbleichten.   Doch Hitler schien es nicht zu bemerken.

 

  Er bat Guderian lediglich Sauken über   die Lage in Ostpreußen und dann sich zu   informieren, wo er das Kommando über die   zweite Armee übernehmen sollte. Guderian   erklärte die katastrophale Situation.   Die sowjetischen Armeen hatten   Ostpreußen nahezu vollständig überrollt.   Hunderttausende Zivilisten waren auf der   Flucht.

 

 Die deutschen Verteidiger waren   erschöpft.   Dann fügte Hitler beiläufig hinzu, dass   Sauken im Gebiet von Danzig die   Autorität von Gauleiter Albert Forster   akzeptieren müsse. Das war der Moment,   in dem Fassade zerbrach. Albert Forster   war einer der berüchtigtsten   Nazigauleiter.   Als Gaulleiter von Danzig Westpreußen   hatte er ein Regime der Unterdrückung   errichtet.

 

  Forster war kein Militärmann, er war ein   Parteifunktionär von Ideologie besessen.   Für einen preußischen General wie Sauken   war die Vorstellung, Befehle von einem   solchen Mann entgegenzunehmen,   unerträglich.   Es ging nicht nur um militärische   Hierarchie, es ging um Ehre, um   Tradition, um alles, wofür die   preußische Offizierskaste stand.

 

  Sauken erstarrte.   Sein Monokel blieb im Auge. Er lehnte   sich über den Kartentisch, eine massive   Marmorplatte, auf der die letzten   Verteidigungspläne des Reiches   ausgebreitet lagen, und dann schlug er   mit der flachen Hand auf den Tisch. Der   Knall halte durch den Raum. Ich habe   nicht die Absicht, Herr Hitler, mich den   Befehlen eines Gaulleiters zu   unterstellen.

 

  Die Stille im Raum war absolut. Zacken   hatte nicht nur Hitlers Befehl   abgelehnt, er hatte ihn mit Herr Hitler   angesprochen, dem zivilen Herr Hitler   statt des Vorgeschriebenen Mein Führer.   Das war eine bewusste Beleidigung. Bold   erinnerte sich später, man hätte eine   Stecknadelf fallen hören können.   Guderian und Bormann standen wie   versteinert.

 

 Ihre Gesichter waren   Aschfahl. Beide hatten gesehen, wie   Hitler Menschen für weit geringere   Vergehen verurteilen ließ. Sie rechneten   mit einer Explosion. Aber nichts   dergleichen geschah. Hitler war still.   Er starrte auf seine Karten, sein   Gesicht ausdruckslos.   Sekunden vergingen. Dann hob er langsam   den Kopf und sah hauken an.

 

 Seine   Stimme, als er sprach, war leise, fast   flüsternd.   In Ordnung, Sauken, behalten Sie das   Kommando für sich selbst.   Es war unfassbar.   Hitler hatte nachgegeben.   Guderian und Bormann versuchten noch zu   intervenieren.   Sie redeten auf Sauken ein, versuchten   ihn zu überreden. Aber Sauken   wiederholte nur: “Ich habe nicht die   Absicht, dies zu tun.

 

” Seine Stimme war   kalt, fest. Hitler hob eine Hand und   winkte ab. Das Gespräch war beendet.   Mit einer kaum wahrnehmbaren Verbeugung,   wieder kein Nazigruß, drehte sich Sauken   um und verließ den Raum. Hitler   schüttelte ihm nicht die Hand. Es war   das letzte Mal, dass sie sich sahen. Die   Anwesenden waren schockiert.

 

 Keiner   konnte glauben, was gerade geschehen   war. Am nächsten Tag, dem 13. März 1945,   flog Sauken nach Danzig. Seine Aufgabe   war überwältigend.   Die zweite Armee war ein Schatten ihrer   selbst, zusammengesetzt aus erschöpften   Überresten mehrerer Einheiten. Die   sowjetische Offensive in Ostpreußen   hatte am 13.

 

 Januar 1945 begonnen und   die deutschen Verteidigungen rasch   überrollt.   Die rote Armee setzte gewaltige Kräfte   ein. Die dritte weißrussische Front   unter Marschall Ivan Chanchowski und die   zweite weißrussische Front unter   Marschall Konstantin Rokosowski griffen   von Norden und Süden an. Sie verfügten   über tausende von Panzern, ztausende   Geschütze und Millionen Soldaten.

 

 Die   vierte Armee war im Heiligen Beiler   Kessel eingekesselt. Königsberg, die   alte Hauptstadt Ostpeens, war isoliert   und belagert.   Hundertusende Zivilisten flohen vor der   heranrückenden roten Armee. Saukens   Priorität war klar, die Evakuierung von   Zivilisten und verwundeten Soldaten über   die Ostsee zu ermöglichen.

 

  Dafür mussten die Häfen und   Evakuierungsroen so lange wie möglich   gehalten werden. Die zweite Armee   verteidigte einen schmalen   Küstenstreifen entlang der danziger   Bucht und des frischen Hafs. Die   Bedingungen waren extrem schwierig. Die   Truppen waren chronisch unterversorgt.   Munition war knapp.

 

 Manchmal hatten   Artilleriebatterien nur noch wenige   Granaten pro Tag.   Treibstoff war so rah, daß Panzer oft   als stationäre Geschützstellungen   eingesetzt werden mußten. Viele   Einheiten bestanden aus   Volkssturmmännern,   älteren Männern über 50 und jungen unter   18, die kaum militärisch ausgebildet   waren.

 

 Sie trugen auf zivile Kleidung   mit einer Armbinde und hatten veraltete   oder improvisierte Waffen. Trotz all   dieser Widrigkeiten leistete die Zweite   Armee Widerstand. Jeder Tag, den sie den   sowjetischen Vormarsch verzögerten,   bedeutete tausende geretteter Leben. Die   Kriegsmarine führte Operation Hannibal   durch, die größte Seeevakuierung der   Geschichte.

 

 Schätzungsweise über 2   Millionen Menschen wurden über die   Ostsee in den Westen evakuiert.   Der Heiligen Beiler Kessel war besonders   verzweifelt. Etwa 000 deutsche Soldaten   und 2000.000 Zivilisten waren dort   eingeschlossen, eingeklemmt zwischen der   roten Armee und dem frischen HAF.   General Friedrich Wilhelm Müller, der   das Kommando über die eingekesselte   vierte Armee führte, erhielt von Berlin   den Befehl bis zum letzten Mann zu   kämpfen.

 

 Hitler und Großadmiral Karl   Dönz weigerten sich kategorisch, eine   Evakuierung zu genehmigen. Die   Verteidiger kämpften in dem Wissen, dass   sie verloren waren für ihre Kameraden,   für die Zivilisten, für die Zeit, die   jede Stunde der Evakuierung gewährte.   Viele Zivilisten versuchten verzweifelt   über das zugefrorene frischer Haft zu   entkommen.

 

 Deutsche Pioniere hatten Fade   über das Eis angelegt und mit Lampen   markiert,   aber die Bedingungen waren   lebensbedrohlich.   Die Temperaturen lagen weit unter dem   Gefrierpunkt.   Das Eis war dünn und begann zu   schmelzen.   Vom 13. bis zum 29. März führte die rote   Armee die Braunsbergeroffensive durch,   um den Heiligen Beiler Kessel endgültig   zu zerschlagen.

 

  Die sowjetischen Truppen setzten massive   Artillerie ein, dann kam die Infanterie   und die Panzer.   Die Stadt Heiligen Weil wurde am 22.   März angegriffen. Am 25. März nach   intensiven Kämpfen wurde sie   eingenommen.   Von der Stadt blieb kaum etwas übrig.   Die letzten Evakuierungen fanden am   Morgen des 29.

 

 März von Karlholz und   Balger statt. Dort bildete Rest der 562.   Volksgrenadierision   einen Nachhut und wurde aufgerieben,   damit die letzten Schiffe ablegen   konnten. Ihr Kommandeur Generalmajor   Helmut Hufenbach fiel im letzten   Gefecht.   Nach sowjetischen Angaben verloren die   Deutschen im Heiligen Beiler Kessel 93   000 Tote und 4648   Gefangene.

 

  Deutsche Quellen behaupten, dass viele   Truppen erfolgreich zur frischen Nährung   evakuiert wurden. Sauken und seine   zweite Armee kämpften weiter, um die   verbleibenden Häfen offenzuhalten.   Danzig, die alte Hansestadt fiel   schließlich am 28. März 1945.   Die Überreste der Zweite Armee zogen   sich ins Weichseldelta nordöstlich der   Stadt zurück. Am 7.

 

 April wurde die   zweite Armee in Armee Oberkommando   Ostpreußen umbenannt und übernahm auch   die Reste der vierten Armee.   Die Halbinsel Hela wurde zum letzten   Rückzugsort.   Dort hielten Saukens Truppen bis zum   absoluten Ende durch. Schiffe kamen und   gingen Tag und Nacht. beladen mit   Verwundeten und Flüchtlingen.   Am Mai 1945,   dem Tag der bedingungslosen Kapitulation   Deutschlands, erhielt Sauken eine   Nachricht.

 

 Er war mit dem Ritterkreuz   mit Eichenlaub, Schwertern und   Brillanten ausgezeichnet worden, der   höchsten militärischen Auszeichnung   Naziutschlands.   Er war der 27. und letzte Empfänger   dieser Ehre.   Die Ironie war bitter.   An dem Tag, an dem das Dritte Reich   offiziell endete, erhielt der Mann, der   Hitler getrotzt hatte, dessen höchste   Auszeichnung.

 

  Admiral Dönitz, der nach Hitlers   Selbstmord am 30. April zur   Reichspräsidenten ernannt worden war,   schickte ein Wasserflugzeug, um Sauken   zu evakuieren.   Der Plan war klar. Sauken sollte nach   Schleswig-Holstein fliegen, wo er sich   den Westalliierten ergeben könnte.   Die Behandlung durch die Amerikaner und   Briten wäre zweifellos humaner gewesen,   als das, was von den Sowjets zu erwarten   war. Aber Sauken lehnte kategorisch ab.

 

  Seine Antwort wurde legendär.   Mein Platz ist bei meinen Soldaten.   Er befahl, das Flugzeug mit verwundeten   Soldaten zu füllen und zurückzuschicken.   Diese Entscheidung definierte Sauken   vielleicht mehr als alles andere.   Er hätte entkommen können, aber er   weigerte sich, seine Männer zu   verlassen.   Es war eine Frage der Ehre, der Pflicht,   jener alten preußischen Werte, die sein   ganzes Leben bestimmt hatten.

 

  Am 9. Mai 1945,   einen Tag nach der offiziellen   Kapitulation, ergab sich Sauken mit den   Überresten seiner Armee, der roten Armee   auf der Halbinsel Hela.   Es war vorbei. Die Evakuierung von   Zivilisten und Militärpersonal aus   diesem Gebiet dauerte noch bis zum 10.   Mai an.   Was danach folgte, war eine der   dunkelsten Perioden in Saukens Leben.

 

 Er   wurde zunächst in das Lubianka Gefängnis   in Moskau gebracht, das Hauptquartier   des NKWD, des sowjetischen   Geheimdienstes.   Später wurde er ins Oriol Gefängnis   verlegt. Die sowjetischen Verhörer   hatten eine klare Agenda. Sie verlangen   von ihm, falsche Geständnisse zu   unterschreiben.   Sie wollten, dass er Kriegsverbrechen   zugab.

 

  Sauken weigerte sich standhaft.   Die Konsequenzen waren schwerwiegend.   Sauken wurde über längere Zeiträume   verhört. Er verbrachte Monate in   einzelhaft in einer winzigen Zelle ohne   Fenster, ohne Kontakt zur Außenwelt.   1949 wurde er schließlich zu 25 Jahren   Zwangsarbeit verurteilt. Ein Urteil mit   erheblicher Härte.

 

  Er wurde ins sibirische Arbeitslager   Taiet verlegt, eines der härtesten Lager   des Gulacsystems.   Ta lag tief in Sibirien, wo die   Temperaturen im Winter auf -50° CSUS   fallen konnten. Die Bedingungen waren   extrem hart.   Die Gefangenen arbeiteten lange Stunden   bei eisiger Kälte mit minimaler Nahrung   und ohne angemessene Kleidung.

 

  Krankheiten verbreiteten sich.   Viele überlebten nicht.   Die Jahre in sibirischer Gefangenschaft   hinterließen deutliche Spuren bei dem   einst so stolzen preußischen General.   Sein Körper wurde geschwächt, aber er   überlebte durch Willenskraft und innere   Stärke.   1955,   10 Jahre nach seiner Gefangennahme,   wurde Sauken im Rahmen der Heimkehr der   Kriegsgefangenen freigelassen.

 

  Die Beziehungen zwischen Westdeutschland   und der Sowjetunion hatten sich leicht   verbessert.   Als Sauken die Freiheit erlangte, war er   kaum wieder zu erkennen. Der Mann, der   zurückkehrte, war ein Schatten seiner   selbst. Er war für den Rest seines   Lebens an den Rollstuhl gefesselt und   litt unter anhaltenden Schmerzen.

 

  Die einst stolze Haltung des preußischen   Kavallerieoffiziers war gebrochen.   Sauken ließ sich in Polch bei München   nieder, einem ruhigen Vorort fernab der   Aufmerksamkeit.   Dort, in der Stille seines kleinen   Hauses, nahm er das Malen wieder auf,   jene künstlerische Leidenschaft aus   seiner Jugend, die er vor so vielen   Jahren für den Militärdienst aufgegeben   hatte.

 

  Seine Bilder zeigten oft Landschaften,   sanfte Hügel, stille Seen, friedliche   Wälder.   Nie malte er Kriegsszenen.   Es war als ob er durch seine Kunst eine   Welt erschaffen wollte, die das   Gegenteil dessen war, was er erlebt   hatte.   Er sprach selten über seine   Kriegserlebnisse oder die Jahre der   Gefangenschaft.

 

  Wenn Besucher kamen, alte Kameraden,   Historiker, Journalisten, war er   höflich, aber zurückhaltend. Er   beantwortete Fragen sachlich, ohne   Emotion, ohne Selbstmitleid.   Die Erinnerung an seinen ältesten Sohn   Leutnant Hans Erich von Sauken, der am   30. Mai 1944 in Rumänien gefallen war,   nur einen Tag nach seinem 20.

 

  Geburtstag, war eine Last, die Sauken   sein ganzes Leben trug.   Er sprach nie über ihn, aber diejenigen,   die ihn kannten, sahen den Schmerz in   seinen Augen. Am 27. September 1980   starb Dietrich von Sauken im Alter von   88 Jahren. Er wurde auf dem Waldfriedhof   Seen in München beigesetzt, zusammen mit   seiner Frau Elisabeth und seinem   gefallenen Sohn.

 

 Die Beerdigung war   klein, besucht von wenigen alten   Kameraden und Familienmitgliedern.   Es gab keine militärischen Ehren, keine   großen Reden. So wie er gelebt hatte in   Stille und Würde, so ging er auch.   Dietrich von Sauken bleibt eine der   faszinierendsten und widersprüchlichsten   Figuren des Zweiten Weltkriegs.   Er war kein Widerstandskämpfer wie Klaus   von Staufenberg, der versuchte Hitler zu   töten.

 

 Er war kein überzeugter Nazi wie   viele andere hochrangige Offiziere. Er   war etwas dazwischen, ein Mann gefangen   zwischen alter Tradition und neuer   Barberei.   Sauken verkörperte die alte preußische   Offizierskaste. Pflicht, Ehre,   Professionalität, Verachtung für   ideologischen Fanatismus.   Als Aristokrat aus einer alten   Adelsfamilie sah er in den   Nationalsozialisten Emporkömmlinge.

 

  Sein Monokel und sein Kavallerieschwert   waren nicht nur militärische   Accessoires, sie waren Symbole einer   Welt, die dem Nationalsozialismus   widerstand.   Doch diese Prinzipien brachten ihn in   einen tiefen moralischen Konflikt.   Sauken diente dem Regime treu bis zum   bitteren Ende. Er führte deutsche   Truppen in einem Krieg, der von Anfang   an ungerecht war.

 

 Seine Verteidigung   Ostpreußens rettete zweifellos tausende   von Zivilisten, aber sie verlängerte   auch einen Krieg, der bereits verloren   war. Historiker sind sich uneins   darüber, wie man Sauken bewerten soll.   Einige sehen in ihm einen ehrenhaften   Soldaten, der in einer unmöglichen   Situation nach seinen Prinzipien   handelte.

 

 Andere Historiker kritisieren,   dass seine Loyalität zum deutschen Staat   ihn daran hinderte, sich aktiv gegen ein   verbrecherisches Regime zu stellen. Er   wusste, dass das Regime böse war. Er   verachtete die Nazis, aber er diente   trotzdem.   Die Geschichte von Dietrich von Sauken   erinnert uns daran, daß Geschichte   selten schwarz-weiß ist.

 

 Er war weder   ein Held noch ein Schurke im absoluten   Sinne. Er war ein Mensch mit Stärken und   Schwächen, gefangen zwischen Pflicht und   Moral, zwischen Überleben und   Prinzipien.   Was unbestritten bleibt, ist sein   außergewöhnlicher Mut. In einer Zeit, in   der tausende Menschen wegen geringerer   Vergehen hingerichtet wurden, trat er   Hitler offen entgegen.

 

 Er weigerte sich,   sein Schwert niederzulegen, sein Monokel   abzunehmen oder den Nazigruß zu geben.   Und als die Gelegenheit kam, sein   eigenes Leben zu retten, blieb er bei   seinen Männern. Seine Verteidigung   Ostpreußens im Frühjahr 194   war militärisch aussichtslos, aber   moralisch komplex. Jeder Tag, den er   herauszögerte, bedeutete mehr Verluste   auf beiden Seiten, aber er bedeutete   auch mehr gerettete Zivilisten.

 

  Die Kriegsmarine evakuierte während   Operation Hannibal über 2 Millionen   Menschen. Ohne die Verteidigung der   Hafenstädte wäre diese beispiellose   Rettungsaktion unmöglich gewesen. Jedes   dieser zwei Millionen Menschen hatte   eine Geschichte, eine Familie,   Hoffnungen und Träume. Das ist Saukens   bleibendes Vermächtnis.

 

  Nicht die militärischen Siege oder die   Medaillen, sondern die Leben, die   gerettet wurden. Dietrich von Sauken   starb 1980 in Stille und Schmerz. Sein   Leben erstreckte sich über zwei   Weltkriege, sieben Verwundungen im   Ersten Weltkrieg, zahllose Schlachten im   Zweiten, eine legendäre Konfrontation   mit einem Diktator, 10 Jahre sowjetische   Gefangenschaft und schließlich 25 Jahre   in einem Rollstuhl.

 

 Seine Geschichte ist   ein Mahnmal für die Komplexität   menschlicher Entscheidungen in   unmöglichen Zeiten. Sie erinnert uns   daran, dass Geschichte nicht nur von   Helden und Schurken bevölkert wird,   sondern von Menschen, komplexen   widersprüchlichen Menschen, die   versuchen, das Richtige zu tun in einer   Welt, in der oft unklar ist, was richtig   bedeutet.

 

  Nun, das war’s. Wir hoffen, du hast   unser Video genossen und etwas über   diese außergewöhnliche komplexe   Persönlichkeit des Zweiten Weltkriegs   gelernt. Wenn dich solche tiefgehenden   historischen Geschichten interessieren,   lass uns das in den Kommentaren wissen.   Was denkst du über Dietrich von Sauken?   Vergiss nicht dieses Video zu liken und   unseren Kanal zu abonnieren, um keine   weiteren Geschichten über die   vergessenen Figuren der Geschichte zu   verpassen.

 

 Wir sehen uns im nächsten   Video. Danke fürs Zuschauen.

 

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