Er befehligte die Legion Condor in Spanien, führte die Luftflotte 3 durch den Westfeldzug und wurde Generalfeldmarschall. Doch während andere Generäle in Nürnberg verurteilt wurden, verließ Hugo Sperle den Gerichtssal als freier Mann. Wie gelang es einem der ranghöchsten Luftwaffenkommande des Dritten Reiches der Gerechtigkeit zu entgehen? Hugo Sperle kam am 7.
Februar 1885 in Ludwigsburg zur Welt. Sein Vater Johannes besaß eine Brauerei. Die Familie gehörte zum Würtemberbergischen Bürgertum. Für den jungen Hugo bedeutete eine Militärkarriere, Stabilität und gesellschaftlichen Aufstieg. Das Kaiserreich bot ehrgeizigen jungen Männern aus dem Bürgertum eine klare Perspektive.
Der Offiziersstand versprach Ansehen. Er garantierte eine sichere Zukunft. Die Familie Sperle teilte diese Werte. Am 5. Juli 1903 er mit 18 Jahren als Fahnenjunker in die königlichwürtemberbergische Armee ein. Seine Ausbildung folgte den strengen Prinzipien der Wilhelemminischen Militärtradition. Disziplin, Gehorsam und taktisches Denken prägten diese Jahre.
Bis 1912 hatte Sperle den Rang eines Leutnands erreicht. Ein Jahr später folgte die Beförderung zum Oberleutnant. Seine Karriere verlief nach Plan. Nichts deutete darauf hin, daß dieser junge Artillerieoffizier einmal zu den mächtigsten Luftwaffenkommandeuren aufsteigen würde. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 beschleunigte seinen Aufstieg. Am 28.
November 1914 wurde er zum Hauptmann ernannt. Seine erste Verwendung fand er bei der Artillerie. Die Beförderung kam früher als in Friedenszeiten üblich. Sperle führte Batterien an der Westfront. Die Schützengräben prägten diese Jahre. Artillerie beherrschte das Schlachtfeld. Millionen Granaten verwandelten Flandern und Nordfrankreich in Mondlandschaften.
In diesem Inferno sammelte Sperle seine ersten Kampferfahrungen. Die Artillerie war die Königin des Schlachtfelds, doch ihre Wirkung hing von präziser Aufklärung ab. Hier lag die Schwäche. Erdgebundene Beobachter sahen nicht weit genug. Die Front erstreckte sich über hunderte Kilometer, doch Sperls Karriere nahm bald eine entscheidende Wendung.
Das deutsche Militär weitete seine Luftaufklärung aus. Flugzeuge dienten zwar Feindbeobachtung und Artillerieoordinierung. Diese neue Dimension des Krieges faszinierte viele Offiziere. Sperle gehörte zu ihnen. Er erkannte das Potenzial der Luftwaffe früh. Die Vogelperspektive eröffnete taktische Möglichkeiten, die am Boden unmöglich waren.
Sperle wechselte zu den Luftstreitkräften. Zunächst flog er als Beobachter. Später wurde er Selbstpilot. Der Übergang von der Artillerie zur Luftfahrt war ungewöhnlich. Viele Offiziere betrachteten Flugzeuge als Spielerei. Sperle dachte anders. Er sah die Zukunft der Kriegsführung. Bis 1917 kommandierte Sperle eine Aufklärungsstaffel.
Seine Einheit fotografierte feindliche Stellungen, leitete Artilleriefeuer und beobachtete Truppenbewegungen. Diese Missionen waren gefährlich. Anders als die glamurösen Jagdflieger operierten Aufklärlichem Gebiet. Bodenfeuer und Abfangjäger bedrohten jeden Flug. Die Überlebenschancen waren gering.
Doch Sperle beherrschte nicht nur das Fliegen. Er verstand Organisation und Logistik. Seine Aufklärungseinheit arbeitete effizient. Die Zusammenarbeit mit der Artillerie funktionierte reibungslos. Sperles organisatorisches Talent fiel seinen Vorgesetzten auf. Bei Kriegsende hatte er sich als Fliegeroffizier etabliert.
Die Niederlage im November 1918 traf Deutschland hart. Vier Jahre Krieg hatten das Kaiserreich erschöpft. Die Revolution fegte die Monarchie hinweg. Was folgte, war Chaos und Demütigung. Trieb Kalkül oder Zufall? Sperles Weg in die Luftstreitkräfte und hätte ein anderer Pfad sein Schicksal verändert. Deutschlands Niederlage und der Vertrag von Versailles stellten das Militär vor harte Einschränkungen.
Die Reichswehr durfte nur noch 100.000 Mann umfassen. Militärische Luftfahrt wurde offiziell verboten. Deutschland sollte nie wieder eine Bedrohung werden. Die Alliierten fürchteten besonders die deutsche Luftwaffe. Alle Militärflugzeuge mussten zerstört werden. Flugzeugfabriken wurden geschlossen.
Pilotenausbildung war illegal. Die Luftstreitkräfte des Kaiserreichs hörten auf zu existieren. Dennoch blieb Sperle in Uniform. Wie viele engagierte Offiziere wartete er auf bessere Zeiten. Im Geheimen studierten deutsche Militärs Luftkriegsführung. Getarte Programme und Kooperationen mit anderen Staaten hielten das Wissen am Leben.
Einige deutsche Piloten trainierten heimlich in der Sowjetunion. Andere arbeiteten als zivile Fluglehrer. Theoretische Studien über Luftkrieg fanden in versteckten Büros statt. Die Reichswehr vergaß die Luftwaffe nicht. Die 1920er und frühen 1930er Jahre forderten Geduld. Versaill hatte Deutschland militärisch gefesselt. Offizielle Luftstreitkräfte existierten nicht.
Doch im Generalstab der Reichswehr planten Offiziere wie Sperle theoretisch. Sie warteten auf den Moment der Wiederaufrüstung. Sperle arbeitete in dieser Zeit im Verborgenen. Er studierte ausländische Luftdoktrinen. Er analysierte den Luftkrieg des Ersten Weltkriegs. Er entwickelte theoretische Konzepte für künftige Operationen.
Diese Jahre waren frustrierend, aber notwendig. Dieser Moment kam33. Adolf Hitler übernahm die Macht. Schnell kündigte er die Wiederbewaffnung an. Die Fesseln von Versailles sollten gesprengt werden. Deutschland würde wieder eine Großmacht werden. Sperles lange Jahre der Stabsarbeit zahlten sich plötzlich aus.
1934 wurde er zum Generalmajor befördert. Er wechselte zur neu gegründeten Luftwaffe. Mit9 Jahren gehörte Sperle zu einer Generation von Offizieren, die Deutschlands verbotene Luftstreitkräfte in eine moderne Streitmacht verwandeln sollten. Die Luftwaffe entstand praktisch aus dem Nichts. Binnen weniger Jahre mussten Flugzeuge gebaut, Piloten ausgebildet und Doktrinen entwickelt werden.
Männer wie Sperle brachten die Erfahrung aus dem Ersten Weltkrieg mit. Sie kombinierten sie mit modernen Konzepten. Hermann Göring führte die Luftwaffe offiziell, doch die eigentliche Arbeit leisteten Männer wie Sperle, Kesselring und Milch. Sie schufen eine Streitmacht, die Europa bald in Angst versetzen würde.
Innerhalb weniger Jahre würde Sperle eine der umstrittensten Missionen seiner Karriere leiten. Im November 1936 er nannte das Oberkommando Sperle zum Befehlshaber der Legion Condor. Diese deutsche Expeditionstruppe sollte General Franzisco Franco im spanischen Bürgerkrieg unterstützen. Spanien war gespalten. Republikaner kämpften gegen Nationalisten.
Beide Seiten suchten ausländische Hilfe. Die Sowjetunion unterstützte die Republikaner. Deutschland und Italien halfen Franco. Offiziell half Deutschland einer befreundeten rechten Bewegung. Hitler sah in Franco einen ideologischen Verbündeten. Inoffiziell diente Spanien als Testgelände für neue Flugzeuge und Taktiken.
Die Legion Condor bot die perfekte Gelegenheit für Experimente. Deutschland schickte moderne Bomber und Jäger. Piloten sammelten Kampferfahrung. Taktiken wurden unter realen Bedingungen erprobt. Was funktionierte, floss in die Doktrin ein. Was scheiterte, wurde verworfen. Die Bombardierungskampagnen der Legion Condor schockierten die Welt.
Der Angriff auf Gernika am 26. April 1937 erregte besonderes Entsetzen. Gernika war eine baskische Kleinstadt ohne militärische Bedeutung. Die Legion Condor bombardierte den Ort stundenlang. Die Stadt brannte vollständig nieder. Hunderte Zivilisten starben. Die genaue Zahl bleibt umstritten.
Augenzeugen beschrieben Szenen apokalyptischen Grauens. Pablo Picassos Gemälde verlieuen bleibende Symbolkraft. Das Werk zeigte verzerrte Körper, schreiende Münder und fragmentierte Formen. Es wurde zum Symbol für die Brutalität des modernen Krieges. Sperles Rolle bleibt bis heute Gegenstand historischer Kontroversen.
Manche Historiker argumentieren, er habe den Befehl erteilt. Sie verweisen auf seine Position als Kommandeur. Andere weisen darauf hin, dass die Luftwaffenbefehlsstruktur oft Initiative auf Einheitsebene erlaubte. Offiziere wie Wolfram von Richthofen besaßen große operative Freiheit. Richtofen führte die taktischen Operationen vor Ort.
Er entschied über Ziele und Zeitpunkte. Die Befehlskette war komplex und oft unklar. Was feststeht, Sperle trug die Gesamtverantwortung für die Mission. Er verteidigte die Operationen der Legion als legitime militärische Aktionen. Die Zerstörung Guanikas wurde zum Symbol zivilen Leids im modernen Krieg. Sperle selbst äußerte sich nie öffentlich zu Guernika.
In seinen wenigen erhaltenen Aussagen betonte er die militärische Notwendigkeit der Operation. Die Stadt sei ein strategischer Verkehrsknotenpunkt gewesen. Die Zerstörung habe Franco geholfen. Doch die internationale Reaktion war verheerend. Die Bombardierung erschütterte selbst jene, die Luftkrieg grundsätzlich als legitim betrachteten.
Die bewusste Zerstörung einer zivilen Stadt ohne militärische Ziele überschritt eine Grenze, die bis dahin als unantastbar galt. Konnte Sperle Guanika verhindern oder blieben ihm als Kommandeur die Hände gebunden durch eine Befehlsstruktur, die Zerstörung bereits einkalkuliert hatte? Im Oktober 1937 kehrte Sperle nach Deutschland zurück.
Er brachte wertvolle Erfahrungen in Luftbodenkoordinierung mit. Die in Spanien erlernten Lektionen beeinflussten die Luftwaffendoktrin der kommenden Jahre. Die Legion Condor hatte bewiesen, dass Luftüberlegenheit Schlachten entscheiden konnte. Sie hatte gezeigt, wie Bomber Bodentruppen unterstützen konnten.
Sie hatte auch demonstriert, dass strategische Bombardierung Schrecken verbreiten konnte. Hitler und seine Befehlshaber sahen strategische Bombardierung nicht nur als Kriegswaffe, die begriffen sie als Instrument der Einschüchterung. Die Drohung von Luftangriffen konnte Gegner zum Nachgeben zwingen. Zumindest glaubte man das.
Im Februar 1938 erhielt Sperle das Kommando über die Luftwaffengruppenkommando 3. Diese Formation entwickelte sich bald zur Luftflotte 3. Von dieser Position aus spielte er eine zentrale Rolle während des Anschlusses Österreichs. Im März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein. Widerstand blieb aus.
Die österreichische Regierung kapitulierte ohne Kampf. Die Luftwaffe war in Alarmbereitschaft. Sperlise Einheiten standen bereit, jeden Widerstand zu brechen. Auch in der Sudetenkrise kam seine Flotte zum Einsatz. Hitler verlangte die Abtretung deutschsprachiger Gebiete der Tschechoslowakei. Europa stand am Rand des Krieges.
Großbritannien und Frankreich gaben nach. Hitler verließ sich auf die Drohung überwältigender Luftbombardements, um Gegner unter Druck zu setzen. Sperles Flotte stand in Alarmbereitschaft. Obwohl keine Bomben fielen, prägte die implizite Bedrohung durch die Luftwaffe die europäische Diplomatie. Die Strategie funktionierte vorerst.
Ohne einen Schuss abzugeben, hatte Deutschland Österreich annektiert und das Sudetenland gewonnen. Die Luftwaffe war zum politischen Instrument geworden. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gehörte Sperle zu den ranghöchsten Luftwaffenführern. Er war ein bewährter Organisator. Seine Erfahrung umfaßte Stabsarbeit und Kampfeinsätze.
Anders als jüngere, flamboantere Luftwaffenoffiziere kultivierte Sperle einen Ruf für Disziplin und Effizienz. Mit 54 Jahren gehörte er zur älteren Generation. Männer wie Albert Kesselring und Erhard Milch waren seine Zeitgenossen. Sie alle hatten im Ersten Weltkrieg gedient. Sie alle hatten die Zwischenkriegszeit durchlebt.
Seine nächste Rolle würde ihn an die Spitze großer Bombardierungskampagnen führen. Sie würde ihn denselben strategischen Schwächen aussetzen, die Deutschlands gesamten Luftkrieg plagten. Als der Zweite Weltkrieg im September 1939 begann, befehligte Hugo Sperle die Luftflotte 3.
Diese deutsche Luftflotte war für Operationen in Westeuropa zuständig. Zunächst führten seine Einheiten begrenzte Angriffe und Aufklärungsflüge entlang der französischen Grenze durch. Der Krieg begann mit dem Überfall auf Polen. Sperles Luftflotte spielte dabei keine direkte Rolle. Sie blieb im Westen stationiert. Die eigentliche Bewährungsprobe stand noch bevor.
Monatelang herrschte der sogenannte Sitzkrieg. Deutsche und französische Truppen standen sich an der Grenze gegenüber. Größere Kampfhandlungen blieben aus. Diese Phase endete im Mai 1940. Im Mai 1940 während der Invasion Frankreichs spielte Sperlesflotte eine entscheidende Rolle. Die Wehrmacht griff im Westen an.
Die Strategie war kühn und riskant. Panzerdivisionen sollten durch die Ardennen vorstoßen. Die Ardennen galten als unpassierbar für schwere Truppen. Die Franzosen hielten diese Region für sicher. Sie konzentrierten ihre Kräfte woanders. Ein fataler Fehler. Seine Bomber unterstützten die schnellen Panzervorstöße durch die Arennen.
Sie griffen französische Kommunikationslinien an. Britische Truppen auf dem Rückzug nach Dünnkirchen gerieten unter Beschuss. Sperles Luftflotte zerstörte Brücken, Bahnhöfe und Nachschubkonvois. Die Luftunterstützung war entscheidend. Sie verhinderte, dass die Franzosen ihre Trucken neu gruppierten.
Sie ermöglichte den deutschen Panzern schnell vorzustoßen. Innerhalb weniger Wochen brach Frankreich zusammen. Der Erfolg der Kampagne brachte Sperle höchste Anerkennung. Amun. Juli 194 wurde er zum Generalfeldmarschall befördert. Mit dieser Beförderung erreichte er den Gipfel seiner Karriere. Er stand nun neben Figuren wie Hermann Göring, Erhard Milch und Albert Kesselring an der Spitze der Luftwaffenhierarchie.
Der Feldmarshallstab war das höchste Symbol militärischer Macht. Nur wenige Deutsche erreichten diese Ebene. Seine nächste Herausforderung erwies sich jedoch als weitaus schwieriger, der Versuch, Großbritannien in die Knie zu zwingen. Während der Luftschlacht um England, im Sommer und Herbst 1940 bildete Luftflotte 3 den nördlichen Flügel des Luftwaffenangriffs.
Von Stützpunkten in Frankreich aus zielten Sparletts Einheiten auf Hefen, Flugplätze und später Städte. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, die Royal Air Force zu vernichten. Der Himmel sollte für eine deutsche Invasion freigemacht werden. Operation Seelöwe stand bereit. Doch zunächst mußte die RAF ausgeschaltet werden.
Die ersten Angriffe konzentrierten sich auf britische Flugplätze und Radarstationen. Die Luftwaffe versuchte, die Infrastruktur der RAF zu zerstören. Einige Angriffe waren erfolgreich, doch die RAF erwies sich als Ca als erwartet. Britische Jäger starteten von ihren Basen und stellten sich den Deutschen Bombern.
Die Spitfires und Hurricanes waren den deutschen Maschinen ebenwürtig. Zudem kämpften die Briten über eigenem Territorium. Abgeschossene Piloten konnten wieder fliegen. Deutsche Piloten gingen verloren. Doch die Kampagne zog sich hin. Die Strategie verschob sich. Nach schweren Verlusten über Flugplätzen verlagerte die Luftwaffe ihre Angriffe auf London und andere Städte.
Der Blitz begann. Ab September 1940 bombardierte die Luftwaffe systematisch britische Städte. London erlitt die schlimmsten Angriffe. Nacht für Nacht fielen Bomben auf die Hauptstadt. Tausende Zivilisten starben. Ganze Stadtteile brannten nieder. Die Entscheidung auf Städte zu zielen bleibt umstritten.
Einige Berichte legen nahe, Sperle habe darauf gedrängt, weiter Flugplätze anzugreifen. Er erkannte, dass die Bombardierung von Städten die RAF nicht schwächte, sondern lediglich Hass erzeugte. Andere behaupten, er habe sich Görings Befehlen ohne Widerspruch angepasst. Göring wollte schnelle Erfolge. Er glaubte, daß Terror die Briten zur Kapitulation zwingen würde.
Sperle hätte protestieren können, doch er schwieg. Wäre eine konsequente Fortführung der Angriffe auf RAFB Basen erfolgreicher gewesen oder hatte die Luftwaffe bereits verloren, bevor die Städte brannten? So oder so, die Bombardierung britischer Städte 1940 und 1941 erreichte ihr strategisches Ziel nicht. Die RF hielt durch.
Britische Moral brach nicht zusammen. Invasionspläne wurden auf Eis gelegt. Deutschland hatte die Luftschlacht um England verloren. Der Blitz endete im Mai 1941. Hitler verlagerte seinen Fokus nach Osten. Operation Barbarossa, der Überfall auf die Sowjetunion, begann am 22. Juni 1941. Die Luftwaffe brauchte ihre Kräfte im Osten.
Nachdem Großbritannien standhaft blieb, wurde Luftflotte 3, Bombenangriffen und später Verteidigungsaufgaben entlang der Atlantikküste zugewiesen. Sperrels Kommando erstreckte sich von der Biscaya bis zu den Niederlanden. Die Atlantikküste wurde zur Festung ausgebaut. Hitler fürchtete allierte Invasion. Sperles Luftflotte sollte jeden Invasionsversuch abwehren, doch die Aufgabe überforderte die verfügbaren Kräfte.
Seine Flugzeuge versuchten, allierte Schiffahrt im Ärmelkanal zu stören. Später sollten sie die Combined Bomberoffensive abwehren, die ab 1943 an Intensität zunahm. Die Alliierten begannen Deutschland systematisch zu bombardieren. Britische Bomber griffen nachts an. Amerikanische Bomber flogen Tageinsätze. Die deutsche Luftverteidigung kämpfte verzweifelt.
Zu diesem Zeitpunkt zeigten sich die Grenzen der Luftwaffe deutlich. Alliierte Jäger und Bomber erlangten Luftüberlegenheit. Deutsche Verluste stiegen dramatisch. Sperle, inzwischen fast 60, kämpfte damit, mit den Anforderungen der rund um die Uh-Luftverteidigung Schritt zu halten. Die Produktion kam nicht nach. Piloten fehlten. Treibstoff wurde knapp.
Die Luftwaffe blutete aus. Sperle konnte nur zusehen, wie seine Streitmacht zusammenschmolz. Berichte beschreiben ihn als zunehmend frustriert. Er war sich bewusst, daß seine Einheiten unterversorgt und überlegen waren. Seine Befehle wurden ignoriert oder konnten nicht ausgeführt werden.
Die Initiative lag bei den Alliierten. Der entscheidende Moment kam im Juni 1944. Die Alliierten landeten in der Normandie. Luftflotte 3, einst ein mächtiger Angriffsarm, war auf einen Schatten ihrer früheren Stärke reduziert. Am 6. Juni 1944 begann die Operation Overlord. Tausende alliierte Schiffe näherten sich der normanischen Küste.
Fallschirmjäger landeten im Hinterland. Die größte Invasionsflotte der Geschichte hatte abgelegt. Sperlits Flotte konnte kaum Einsätze gegen die Invasionsstreitkräfte fliegen. Die Alliierten kontrollierten den Luftraum vollständig. Deutsche Jäger wurden abgeschossen, bevor sie die Landungsstrände erreichten.
Bomber konnten nicht starten. Seine Unfähigkeit, die Landungen zu stoppen, markierte den Zusammenbruch seiner Kriegskarriere. Zwar lagen die Ursachen in Engpässen jenseits seiner Kontrolle. Die Luftwaffe war bereits geschlagen, bevor die Invasion begann. Dennoch trug er die Verantwortung. Im August 1944 wurde er vom Kommando entbunden.
Man versetzte ihn in die Führerreserve. Faktisch bedeutete dies seine Pensionierung vom aktiven Dienst. Mit 59 Jahren endete Splits militärische Karriere. Die Führerreserve war eine Parkposition für entlassene Offiziere. Manche wurden später reaktiviert. Spørle nicht. Er verbrachte die letzten Kriegsmonate in Bayern.
Der Krieg raste seinem Ende entgegen. Am. Mai 1945 ging Deutschland unter. Hugos Berle wurde von der britischen Armee gefangen genommen. Anders als manche hochrangigen Luftwaffenführer, die flohen oder getötet wurden, leistete Sperle kaum Widerstand. Die letzten Tage des Dritten Reichs waren chaotisch.
Hitler hatte Selbstmord begangen. Die Wehrmacht kapitulierte. Millionen Deutsche waren auf der Flucht. In diesem Chaos ergab sich Sperle den Briten. Mit 60 wirkte er wie ein Mann, dessen Karriere bereits Monate zuvor geendet hatte. Doch sein Schicksal war keineswegs entschieden. Die Alliierten sammelten Beweise, sie bereiteten Prozesse vor.
Die Alliierten waren entschlossen, Deutschlands militärische Führer zur Rechenschaft zu ziehen. Sperle wurde im Oberkommandoprozess angeklagt. Dies war einer der z Nachfolgeprozesse nach den Hauptverfahren gegen Göring und andere Spitzenfiguren. Der Hauptprozess in Nürnberg hatte bereits stattgefunden. Göring, Keitel, Jodel und andere waren verurteilt worden.
Nun kamen die zweite Reihe und die Militärführung an die Reihe. Die Anklage vom 28. November 1947 warf ihm vor, Angriffskriege geplant und geführt zu haben. Zudem wurde ihm vorgeworfen, die Kriegsgesetze verletzt und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit teilgenommen zu haben. Die Anklagepunkte waren umfassend. Sie reichten von der Planung aggressiver Kriege bis zur direkten Beteiligung an Kriegsverbrechen.
Die Strafe bei Verurteilung konnte der Tod sein. Der Prozess begann am 5. Februar. 1948 Sperle erschien vor den Richtern neben anderen hochrangigen Generälen. Wilhelm von Leb und Wilhelm List standen ebenfalls vor Gericht. Insgesamt waren 14 Generäle und Admirale angeklagt. Anders als Göring oder Keitel stand Sperleoch nicht im absoluten Zentrum der Nazientscheidungsfindung.
Er war kein Mitglied der obersten Führung gewesen. Er hatte nicht an derseekonferenz teilgenommen. Er war ein Militär. kein Politiker. Seine Verteidigung argumentierte, er sei ein professioneller Offizier gewesen. Er habe Befehle ausgeführt. Er sei nicht direkt in umfassendere Nazipolitiken involviert gewesen.
Diese Verteidigungsstrategie hatten viele deutsche Offiziere gewählt. Ein Großteil der Debatte konzentrierte sich auf seine Rolle in der Legion Condor und die Bombardierungskampagnen der Luftwaffe. Die Anklage führte Gernika und den Blitz als Beweise für vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten an.
Gernika wurde ausführlich diskutiert. Hatte Sperle den Befehl gegeben? Wusste er von der zivilen Natur der Stadt? Hatte er Einwände erhoben? Die Beweise waren unklar. Auch der Blitz wurde untersucht. Die systematische Bombardierung Londons hatte tausende Zivilisten getötet. War dies ein Kriegsverbrechen oder legitime Kriegsführung? Doch die Richter hatten Schwierigkeiten klare Beweise zu finden.
Sie konnten nicht nachweisen, daß Sperle selbst rechtswidrige Handlungen befohlen hatte. Befehlsverantwortung war schwer festzulegen, besonders in der diffusen Befehlskette der Luftwaffe. Die Luftwaffe hatte eine komplexe Kommandostruktur. Befehle kamen von Göring, vom Oberkommando der Wehrmacht, manchmal direkt von Hitler.
Lokale Kommande hatten oft große Freiheiten. Wer trug die Verantwortung? Zudem stellte sich eine heikle Frage: Wenn Gernika und der Blitz Kriegsverbrechen waren, was war dann mit Dresden, Hamburg, Tokio? Die Alliierten hatten deutsche und japanische Städte vernichtet. Zehntausende Zivilisten waren gestorben. Am Ende kam das Tribunal zu dem Schluss: Es gab nicht genug Beweise für kriminelle Absicht.
oder Einfluß auf Politikebene, um ihn zu verurteilen. Entkam Sperle aufgrund unzureichender Beweisführung oder spielten politische Überlegungen des beginnenden kalten Krieges die entscheidende Rolle? Die Gründe für Sperles Freispruch werden bis heute kontrovers diskutiert. Lag es an schwachen Beweisen? Die Anklageschrift hatte Lücken.
Direkte Befehle Sperles für rechtswidrige Handlungen fehlten. Lag es an sich wandelnden rechtlichen Standards? Das Konzept der Befehlsverantwortung war neu. Es wurde in Nürnberg erst entwickelt. Die Rechtsprechung war unsicher. Oder lag es am wachsenden kalten Krieg? 1948 hatten sich die Fren verhärtet.
Die Sowjetunion blockierte Berlin. Der Westen brauchte deutsche Unterstützung. Zu harte Urteile gegen Militärs könnten kontraproduktiv sein. Manche vermuten, westliche Richter hätten gezögert, Luftkampagnen zu verurteilen. Die alliierten Bombenstrategien gegen deutsche Städte ähnelten. Dresden war erst drei Jahre her.
Die Wunden waren frisch. Die Raff hatte deutsche Städte in Schutt und Asche gelegt. Hunderttausende Zivilisten waren gestorben. Wenn Sperne für den Blitz verurteilt würde, müssten dann nicht auch Artha und Curtis Le May vor Gericht? So oder so. Am 27. und 28. Oktober 1948 sprach das Tribunal Sperle in allen Anklagepunkten frei.
Das Urteil war eindeutig. Sperle war ein freier Mann. Seine rechtlichen Probleme endeten damit nicht. Wie viele Deutsche durchlief Sperle ein Entnazifizierungsverfahren. Im Juni 1949 sprach ihn auch eine Spruchkammer in München frei. Die Entnaifizierung war ein komplexer Prozess. Alle Deutschen mussten ihre Naziervergangenheit offenlegen.
Je nach Verstrickung wurden sie in Kategorien eingeteilt. Hauptschuldige, belastete, minder belastete, Mitläufer. oder entlastete. Sperles Einstufung war überraschend milde. Die Spruchkammer kam zu dem Schluss, er sei ein Mitläufer gewesen. Keine Strafen, keine Einschränkungen. Ohne Verurteilung im Register war er frei, ins zivile Leben zurückzukehren.
Sperles letzte Jahre verliefen still. Er schrieb keine Memoiren. Er versuchte nicht seine Rolle zu verteidigen. Stattdessen verbrachte er seine Tage in Bayern. Viele ehemalige Offiziere veröffentlichten nach dem Krieg ihre Erinnerungen. Sie rechtfertigten ihre Taten. Sie beschuldigten Hitler. Sie porträtierten sich als Opfer.

Sperle tat nichts dergleichen. Warum schwieg er? Hatte er nichts zu sagen? Oder wusste er, dass jedes Wort ihn belasten könnte? Wir werden es nie erfahren. Im April 1953 starb er in München. Die Todesursache ist nicht dokumentiert. Er wurde 62 Jahre alt. Sein Tod erregte keine Aufmerksamkeit. Keine Zeitungen berichteten, keine Nachrufe erschienen.
Sein Grab wurde später auf einen Militärfriedhof nah der Luftwaffenbasis Lechfeld verlegt. Eine symbolische Rückkehr in die Welt der Luftfahrt, die sein Leben definiert hatte. Der Friedhof beherbergt viele gefallene Flieger. Für einen Mann, der zum Feldmarschall aufgestiegen war, verlief sein Abgang fast unsichtbar.
Nur im Gerichtssaal, nicht auf dem Schlachtfeld, kehrte sein Name kurz auf die Bühne der Geschichte zurück. Hugo Sperles Geschichte zeigt, wie Macht in Kriegszeiten nicht immer zu Rechenschaft in Friedenszeiten führt. In Nürnberg freigesprochen bleibt er einer der wenigen Luftwaffenfeldmarschelle, die als freie Männer den Gerichtssaal verließen.
Dieses Urteil löst bis heute Debatten über Gerechtigkeit und Verantwortung aus. War das Tribunal zu nachsichtig oder fehlten schlicht die Beweise? Manche sehen in seinem Fall den Beweis für die Schwäche der Nachkriegsjustiz. Sie argumentieren, dass hochrangige Militärs zu leicht davon kamen, dass Befehlsverantwortung nicht ernst genug genommen wurde, dass der kalte Krieg wichtiger war als Gerechtigkeit.
Andere argumentieren, dass rechtliche Standards und Beweispflicht eingehalten wurden, dass ein Prozess Beweise benötigt, dass Vermutungen nicht ausreichen, dass auch ein Feldmarschall das Recht auf einen fairen Verfahren hat. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
Sperles Freispruch war weder reiner Justiztum noch völlig gerechtfertigt. Er spiegelt die Komplexität wieder, mit der die Nachkriegsjustiz kämpfte. Offenbarte Sperles Freispruch die Gerechtigkeit des Rechtsstaats oder die Grenzen einer Justiz, die von den Siegern gestaltet wurde? Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Mann, der durch die Extreme des 20.
Jahrhunderts navigierte. Erhob sich aus dem Wilhelminischen Kaiserreich. Er überlebte den Ersten Weltkrieg. Er diente dem dritten Reich. und er entkam der Rechenschaft. Seine Geschichte erinnert daran, daß Geschichte selten in klaren Kategorien von gut und böse geschrieben wird. Sie wird in Graustufen verfasst, in Komplexitäten, in unbeantworteten Fragen.
Die großen Narrative sind einfach. Hitler war böse, die Alliierten waren gut. Doch zwischen diesen Polen existieren tausende von Grauschattierungen. Männer wie Sperle bewohnen diese Zwischenräume. War er ein Kriegsverbrecher, ein professioneller Soldat, ein Opportunist, ein Mitläufer? Vielleicht war er all das. Vielleicht war er nichts davon.
Die Geschichte gibt keine eindeutigen Antworten. Wir auf unbekannte Geschichte WW2 glauben, dass diese Nuancen genauso wichtig sind wie die großen Narrative. Nur wer die Widersprüche versteht, kann Geschichte wirklich begreifen. Nur wer die schwierigen Fragen stellt, kommt der Wahrheit näher. Geschichte ist kein Märchen mit klaren Helden und Schurken.
Sie ist ein komplexes Geflecht aus Entscheidungen, Umständen und Konsequenzen. Sie zu verstehen erfordert Mühe. Sie zu vereinfachen wäre eine Beleidigung der Opfer. Wenn ihr sehen wollt, wie das Schicksal eines anderen Luftwaffenkommandeurs völlig anders endete, schaut euch unser Video über Alexander Lur an, den General, der vor einem Erschießungskommando in Belgrad stand.
Zwei Männer, zwei Karrieren, zwei völlig unterschiedliche Enden. Vergesst nicht das Video zu liken, zu abonnieren und die Glocke zu aktivieren, damit ihr das nächste Kapitel der Geschichte nicht verpasst. Yeah.