Stellen Sie sich vor, 60.000 deutsche Soldaten eingeschlossen in einem Kessel umgeben von einer halben Million sowjetischer Truppen. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, kein Nachschub, keine Verstärkung. Und dann kommt der Befehl: Kämpft euch durch oder sterbt hier. Was würden Sie tun? Im Februar 1944 ereignete sich eine der dramatischsten Operationen des Zweiten Weltkriegs, die Chakassi Einkesselung.
Zwei deutsche Kors gefangen in der ukrainischen Steppe standen vor der Wahl, sich ergeben oder einen verzweifelten Ausbruch wagen. Ein Albtraum aus Blut, Eis und Wahnsinn folgte, der die Grenzen menschlicher Belastbarkeit auf die Probe stellte. Aber wie haben sie es geschafft? Wie konnten ztausende Soldaten durch sowjetische Linien brechen, die sie mit überwältigender Überlegenheit umzingelten? Und welchen Preis zahlten sie dafür? Bleiben Sie dran.
Diese Geschichte wird sie schockieren. Zurück bis Januar 1944 reichen die Wurzeln der Katastrophe. Nach der verheerenden Niederlage bei Stalingrad und dem Scheitern der Operation Zitadelle bei Kursk befand sich die Wehrmacht in einem ständigen Rückzug an der Ostfront. Die rote Armee drängte unerbittlich nach Westen, nun zahlenmäßig und materiell überlegen.
Jeder Tag war für die deutschen Verteidiger ein Kampf ums Überleben. Neue sowjetische Angriffe brachte jede Nacht. Die Heresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Erich von Mannstein versuchte verzweifelt, die zusammenbrechenden Linien zu stabilisieren, doch erdrückend war die sowjetische Übermacht. General Nikolai Wattutin, Befehlshaber der ersten ukrainischen Front und General Ivan Konjev von der zweiten ukrainischen Front planten eine ehrgeizige Operation, die Vernichtung der deutschen Heresgruppe Süd durch eine massive Zangenoffensive. Die deutschen Verteidigungslinien am Dierbra zu durchbrechen und große feindliche Kräfte einzukesseln war ihr Ziel. Stalin selbst überwachte die Planung aus Moskau. Seine täglichen Telefonate mit den Frontkommandeuren ließen keinen Zweifel daran, daß er schnelle Ergebnisse erwartete. Den Schwung ihrer Erfolge nutzen und die Wehrmacht weiter zurückdrängen wollte
die sowjetische Führung, bevor sie sich neu formieren konnte. Am 24. Januar 1944 begann die sowjetische Offensive mit einem massiven Artilleriefeuer, das die gefrorene Erde erzittern ließ. So gewaltig war der Lärm, daß deutsche Soldaten kilometer weit entfernt das Trommen der Geschütze hörten. Innerhalb weniger Tage gelang es sowjetischen Panzertruppen tiefe Einbrüche in die deutschen Linien zu erzielen.
Von Norden und Süden stießen die erste und zweite ukrainische Front vor, während die deutschen Truppen in der Mitte das 11elfte Armeekor unter General Wilhelm Stämmermann und das 23. Armeekor unter General Theobald Lieb allmählich von ihren Nachbarverbänden abgeschnitten wurden.
Die deutschen Kommandeure vor erkannten die Gefahr sofort. Immer dringlicher, fast schon flehend wurden ihre Funksprüche an das Oberkommando. Sie baten um Erlaubnis zum Rückzug, bevor die sowjetische Zange sich schließen konnte. Doch Hitler wie so oft verbot jeden Rückzug. Haltet die Stellungen um jeden Preis, befahl er aus seinem Hauptquartier.
Tausende Kilometer von der Front entfernt. Jeder Meter aufgegebenen Bodens war für ihn ein persönlicher Verrat, aber die Realität an der Front war eine andere. Überfordert, unterversorgt und zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen waren die deutschen Einheiten. Am 28. Januar schloss ich die sowjetische Zange bei der Stadt Svenorotka.
Der Moment, in dem die beiden sowjetischen Panzerkeile aufeinander trafen, besiegelte das Schicksal von etwa 60.000 deutschen Soldaten. Gefangen waren sie nun in einem Kessel, der sich über eine Fläche von rund 40 km Durchmesser erstreckte. Die Sowjets nannten ihn den Korsun Chevchenkwski Kessel.
Die Deutschen sprachen von der Cherassi Einkesselung. Denkbar ungünstig war die geographische Lage. Flaches offenes Gelände, das den sowjetischen Panzern und der Artilleriefreies Schussfeld bot. Keine natürlichen Verteidigungslinien, keine Wälder zum Verstecken, nur endlose weiße Steppe, die sich bis zum Horizont erstreckte. Und damit begann der Albtraum.
Chaotische Zustände herrschten im Inneren des Kessels. Aus Einheiten der 389. Infanteriedivision, der 72. Infanteriedivision, der schwer angeschlagenen SS-Division Wiking und Teilen anderer Verbände bestanden die eingeschlossenen Truppen, darunter Flageinheiten, Pioniere und Versorgungstruppen, die nie für den Frontkampf ausgebildet worden waren.
Rationiert wurde Munition. Jede Patrone zählte nun. Nahrungsmittel wurden knapp. In notdürftig eingerichteten Lazaretten ohne ausreichende medizinische Versorgung stapelten sich die Verwundeten. Feldärzte amputierten Gliedmaßen ohne Narkose. Durch die dünnen Wände drangen die Schreie der Männer.
Der Gestank von Gangrähen und Tod erfüllte die lang überfüllten Keller und Scheunen. Immens war die psychologische Belastung. Viele Soldaten hatten bereits Stalingrad miterlebt oder von den Schrecken der Gefangenschaft gehört. Das Kapitulation wahrscheinlich einen langsamen Tod in sibirischen Arbeitslagern bedeutete, wussten sie.
Diese Angst leige, während sie andere zu verzweifelter Entschlossenheit trieb. Flüsterten Männer Gebete in der Dunkelheit der Nächte. Andere starrten einfach in die Leere. Die Luftwaffe versuchte verzweifelt, die eingeschlossenen Truppen über eine Luftbrücke zu versorgen. Doch katastrophal waren die Bedingungen.
Schlechtes Wetter, sowjetische Flag und Jagdflugzeuge machten jeden Versorgungsflug zu einem Himmelfahrtskommando. Von den wenigen Transportmaschinen, die es durch die sowjetischen Linien schafften, konnten viele ihre Ladung nicht abwerfen, da improvisierte Landebahnen im Schlamm und Schnee versanken.

Von brennenden Flugzeugen erzählten Piloten später, die wie Fackeln vom Himmel fielen und von Kameraden, die nie zurückkehrten. Jeder Start war ein Abschied, denn niemand wusste, ob er zurückkehren würde. Täglich verschlechterte sich die Versorgungssituation. Die versprochenen zwei Tonnen Nachschub pro Tag reduzierten sich schnell auf weniger als 50 Tonnen.
Zu fünft teilten sich Soldaten Konservendosen. Brot wurde in winzige Portionen aufgeteilt. Vorrang bei der Nahrung bekamen Verwundete, doch selbst das reichte nicht. Die Kälte verschlimmerte alles. Mehr Kalorien brauchte der Körper, um warm zu bleiben, doch es gab nichts zu essen. General Stämmermann, der ranghöchste Offizier im Kessel, erkannte schnell die Aussichtslosigkeit der Lage.
Ein Berufssoldat der alten Schule hatte er genug Schlachten gesehen, um Realität von Propaganda zu unterscheiden. Auf einen sofortigen Ausbruchsversuch drängte er, doch Hitler bestand darauf, dass Entsatzkräfte von außen durchbrechen würden. Eine Rettung, die nie kam. Tag für Tag verschlechterte sich die Situation, während Hitler in seinen täglichen Lagebesprechungen von Halteorten und strategischer Bedeutung sprach, als könne Rhetorik Realität ersetzen.
Draußen vor dem Kessel bereitete General der Panzertruppe Hans Hube, Befehlshaber der ersten Panzerarmee, einen Entsatzangriff vor. Von Süden her zum Kessel vorstoßen und einen Korridor für die eingeschlossenen Truppen öffnen, sollte die neu aufgestellte dritte Panzerchkor unter General Hermann Breit. Breit, ein erfahrener Panzerkommandeur, wusste, dass die Zeit gegen ihn arbeitete.
Schwächere Truppen im Kessel und stärkere sowjetische Verteidigung bedeutete jeder Tag Verzögerung. Den Druck spürten seine Panzerbesatzungen. Sie wussten, dass 60.000 1000 Kameraden auf sie warteten. Am 11. Februar begann die Operation mit einem konzentrierten Panzerangriff. Schwere Tiger und Panther darunter stießen deutsche Panzer gegen die sowjetischen Linien vor.
Vielversprechend begann der Angriff. Die ersten sowjetischen Stellungen rich brachen die Panzerspitzen und machten in den ersten Stunden gute Fortschritte. Mit der Verzweiflung von Männern kämpften die Besatzungen, die wussten, dass 60.000 Kameraden auf sie warteten. Doch je näher sie dem Kessel kam, desto härter wurde der Widerstand.
Ihre Lehren aus früheren deutschen Entsatzversuchen hatte die rote Armee gezogen, besonders aus der Operation Wintergewitter bei Stadingrad. Dieses Mal würden sie nicht überrascht werden. Tiefe Verteidigungslinien, Panzerabwehrkanonen und massive Artilleriekonzentrationen stoppten den deutschen Vormarsch immer wieder.
In Hinterhalten lauerten sowjetische Panzerjäger mit ihren 76 mm Kanonen, getarnt in zerstörten Gehöften und Schneeverwährungen. Dutzende Panzer und hunderte Soldaten kostete jeder gewonnene Kilometer. Brutal waren die Kämpfe von sowjetischen T34 berichteten deutsche Panzerbesatzungen, die auf kurze Distanz aus Scheunen hervorbrichten.
Mit Molotofcocktails warfen sich Infanteristen unter die Panzer. Ihre Körper explodierten in Flammen. Die deutsche Speerspitze abzunutzen, sie in endlose Kleinkriege zu verwickeln, war die sowjetische Taktik, während gleichzeitig der Kessel weiter zusammengepresst wurde. Am 15. Februar stand Breits Panzerkor noch etwa 15 km vom Kessel entfernt.
So nah und doch so fern. Das Donnern der Panzergeschütze konnten die deutschen Soldaten im Kessel hören. Ein fernes Grollen, das Hoffnung weckte. Hoffnung keimte auf. Vielleicht würden sie doch gerettet werden. Doch immer mehr Verstärkungen warfen die sowjetischen Truppen in die Schlacht. Aus den Reserven strömten frische Panzer und Infanterieeinheiten heran, ein scheinbar endloser Strom von Männern und Material.
Zum Erliegen kam der deutsche Vormarsch. Breit versuchte, verzweifelt, den Angriff fortzusetzen. Seine letzten Reserven warf er in den Kampf, doch es war vergeblich. Zu stark, zu tief gestaffelt war die sowjetische Verteidigung. Seine Panzer versanken im Schlamm oder gingen in Flammen auf. Zur Neige ging die Munition.
Am Abend des 15. Februar musste Breit die bittere Wahrheit akzeptieren. Der Entsatzangriff war gescheitert. Diese Nachricht funkte er nach Stämermann und beide Männer wussten, was das bedeutete. Im Kessel verschlechterte sich die Lage täglich. Auf -2° Csus fielen die Temperaturen.
Zur Normalität wurden Erfrierungen. Finger, Zehen, Ohren verloren Soldaten. Schwarz wurde das Fleisch und starb ab. Ohne Pause, ohne ausreichende Betäubung amputierten Feldärzte. Durch die Nacht halten die Schreie der Verwundeten. Sich Decken teilten Soldaten und krochen nachts zusammen, um nicht zu erfrieren. Ihre Körperwärme das einzige, was sie am Leben hielt.
Geschlachtet und gegessen wurden Pferde, die wenigen verbliebenen Transportmittel. Selbst das Leder der Stiefel wurde gekocht, um wenigstens etwas im Magen zu haben. Systematisch verstärkten die Sowjets ihren Druck auf den Kessel. Tag und Nacht beschoss Artillerie, die deutschen Stellungen, ein konstantes Trommeln, das den Verstand zermürgte.
Tiefer in den gefrorenen Boden gruben sich die Soldaten, aber es gab kaum Schutz. Zwischen den Schützengräben explodierten Granaten und rissen Männer in Stücke. In Wellen rollten Infanterieangriffe heran. Langsam, aber stetig, schrumpfte der Kessel. Weniger Raum, weniger Ressourcen, weniger Hoffnung bedeutete jeder verlorene Kilometer.
Gnadenlos war die psychologische Kriegsführung der Sowjets. Mit Musik und Durchsagen beschalten Lautsprecher die deutschen Stellungen, die zur Kapitulation aufriefen: “Kameraden, ergebt euch. Eure Familien warten auf euch.” Über die verschneiten Felder halten die Stimmen verlockend und bedrohlich zugleich.
Doch diesen Versprechungen vertrauten die meisten deutschen Soldaten nicht. General Konv, der sowjetische Befehlshaber, forderte die Deutschen zur Kapitulation auf. Human behandelt würden gefangene, versprach er in Flugblättern, die über den deutschen Stellungen abgeworfen wurden.
Aber an Stalingrad erinnerten sich die Deutschen. Was Gefangenschaft in sowjetischen Lagern bedeutete, wussten sie. Von den 90.000 Soldaten, die dort kapituliert hatten, würden nur etwa 6000 jemals nach Deutschland zurückkehren. Nur wenige würden jemals zurückkehren. Am 16. Februar wurde klar, dass der Entsatzangriff gescheitert war.
Festgefahren hatte sich Breits Panzerchor. Zu hoch waren die Verluste. Der Durchbruch würde nicht gelingen. Mannstein, der Oberbefehlshaber der Heresgruppe, übermittelte Stämmermann die Nachricht persönlich per Funk. Entsatz unmöglich. Bereiten sie Ausbruch vor. Knapp waren die Worte, aber beide Männer verstanden ihre volle Bedeutung.
Nun blieb nur noch eine Option, der Ausbruch aus eigener Kraft. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar versammelten sich die deutschen Befehlshaber im provisorischen Hauptquartier von General Stämmermann. gedrückt war die Atmosphäre, die Luft dick von Zigarettenrauch und unausgesprochenen Ängsten.
Jeder wusste, was diese Entscheidung bedeutete. Ohne Beschönigung wurde die Lage dargelegt. Es gab keine Rettung von außen. Katastrophalsungslage. In wenigen Tagen würde der Kessel zusammenbrechen. Einstimmig fiel die Entscheidung. Ausbruch nach Südwesten in Richtung der deutschen Linien und der wartenden Panzer von Breit.
Die einzige Richtung war es, wo die sowjetischen Linien möglicherweise schwächer waren, weil dort Breitsangriff Druck ausgeübt hatte. Aber wie sollte das funktionieren? 60.000 Mann, darunter tausende Verwundete mussten durch mehrere Linien sowjetischer Verteidigung brechen. Mit Stacheldraht, Minenfeldern und MGN hatten die Sowjets den Kessel ummantelt.
Hinter diesen Barrieren lauerten Panzer, Artillerie und frische Infanteriergimenter. Einen verzweifelten Plan entwickelte Stämmermann. Als Sperrspitze fungieren sollten die SS-division Wiking und die 72. Infanteriedivision. einen schmalen Korridor. Durch die sowjetischen Linien würden sie schlagen. Dahinter würde der Rest der eingeschlossenen Truppen folgen, in einer langen, verwundbaren Kolonne, die sich durch die Nacht kämpfen musste.
Riskant, fast selbstmörderisch war der Plan, aber es gab keine Alternative. Dass viele seiner Männer diese Nacht nicht überleben würden, wusste Stämmermann. Entscheidend war der Zeitpunkt. In der Dunkelheit sollte der Ausbruch erfolgen, um die sowjetische Artillerie zu blenden und den Truppen wenigstens etwas Deckung zu geben.
Einen Ablenkungsangriff starten sollte gleichzeitig Breits Panzerchkor, um sowjetische Reserven zu binden und Verwirrung zu stiften. Die Verwundeten betreffend war die schwerste Entscheidung. Zurückgelassen werden mussten alle nicht kampfähigen Verwundeten. Die Herzen der Offiziere zerrissen diese Entscheidung.
Einige hatten Tränen in den Augen, als sie unterschrieben, aber es gab keine Alternative. Mit tausenden bewegungsunfähigen Männern war ein Ausbruch unmöglich. Bei ihnen bleiben würden die Ärzte mit dem Wissen, daß sie in sowjetische Gefangenschaft gehen würden. Ihre Kameraden baten viele Verwundete, sie zu erschießen, bevor sie gingen.
Diese Bitten konnten einige Offiziere nicht ausschlagen. Durch die Nacht halten die Pistolenschüsse. Am Abend des 16. Februar erhielten die Truppen ihre Befehle. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht durch die Stellungen. Heute Nacht brechen wir aus. Nur das Nötigste mitnehmen sollte jeder Soldat. Waffe, Munition, eine Decke.
Alles andere, Fahrzeuge, schwere Waffen, persönliche Gegenstände, musste zurückbleiben. Erschossen wurden selbst die letzten Pferde, um sie nicht den Sowjets zu überlassen. Das Knallen der Schüsse halte durch den Kessel, als die Tiere systematisch getötet wurden. Ein endloses, trauriges Echo. Schweigend bereiteten sich die Soldaten vor.
Abschiedsbriefe schrieben viele, die sie in ihren Uniformen versteckten, in der Hoffnung, daß jemand sie finden und an ihre Familien schicken würde. Beteten andere Seite an Seite im Schnee, knieten Katholiken und Protestanten, alte Feindschaften vergessen. Leise weinen einige. Ins leere starrten die meisten einfach, ihre Gesichter ausdruckslos vor Erschöpfung und Angst.
Ihre letzten Zigaretten teilten Veteranen mit jungen Rekruten, die kaum älter als 18 waren. Ihre Hände zitterten in der Kälte. Gegen Mitternacht begann der Ausbruch. Aus ihren Stellungen stürmten die ersten Angriffswellen der SS-division Wiking. Sowjetische Vorposten überfielen deutsche Stoßtrups mit Handgranaten und Bayonetten.
Brutal und anfangs lautlos war der Kampf. So lange wie möglich unentdeckt zu bleiben, versuchten die Deutschen. Zu Waffen wurden Messer und Sparten. Lautlos im Schnee starben Männer. Ihre Schreie erstickt von beharschuten Händen. Aber schon nach wenigen Minuten loderten Leuchtraketen am Himmel auf. Sie verwandelten die Nacht in einen gespenstischen Tag.
Den Ausbruch bemerkt hatten die Sowjets. Sofort eröffneten im Gnester das Feuer. In die deutschen Reihen schlugen Granatwerfer ein. Die Nacht explodierte in einem Inferno aus Licht, Lärm und Tod. Durch die anstürmenden Kolonnen fegten Maschinengewehrsalven zu Dutzenden vielen Männer. Ihre Körper zuckten im Schnee.
Die deutschen Soldaten stürmten weiter. Sie hatten keine Wahl. Den sicherem Tod durch Verhungern oder Gefangenschaft bedeutete zurück. Zumindest eine Chance bot vorwärts, so klein sie auch sein mochte. “Vorwärts, vorwärts!”, brüllten die Offiziere, während um sie herum das Chaos tobte. Oberst Herbert Gille, Kommandeur der SSDion Wiking, führte persönlich die Sperrspitze an, seine Pistole in der Hand.
Mit einer Verzweiflung kämpften seine Männer, die jede Furcht überwand. Mit roher Gewalt durchbrachen sie die erste sowjetische Linie, dann die zweite. Sowjetische Bunker rüsteten Flammenwerfer. Der Gestank von verbranntem Fleisch erfüllte die Luft. Stacheldraht sprengten Pioniere. Doch mit jedem Meter wuchs der Widerstand. Verstärkungen schickten die Sowjets.
Heran rollten Panzer. Ihre Geschütze feuerten in die Dunkelheit. Die lange Kolonne der anderen Einheiten folgte hinter ihn. Infanteristen, Artilleristen ohne ihre Geschütze, Pioniere, Nachrichtentruppen. Ein endloser Strom von Männern, die durch Schnee und Schlamm stapften, während um sie herum das Chaos der Schlacht tobte.
Mit Blut getränkt war der Schnee, dunkel und klebrig. Überall lagen Tote und Verwundete. Mit dem Lärm der Schlacht vermischten sich ihre Schreie. Die Verwundeten, die noch gehen konnten, humpelten mit, ihre Verbände blutig und gefroren. Auf improvisierten Baren getragen wurden andere, doch zurückgelassen werden mussten viele, wenn die Träger erschossen wurden.
Zusammenbrachen viele und blieben liegen. Ihnen helfen konnte niemand. Stoppen durfte die Kolonne nicht. Tot war wer zurückblieb. Das wusste jeder. Gegen Uhr morgens erreichte die Sperrspitze den Fluss gnieoi tie. Teilweise zugefroren war der Fluss, aber dünn und brüchig war das Eis. Auf der glatten Oberfläche spiegelte sich das Mondlicht.
Ein trügerisch friedlicher Anblick. Das gegenüberliegende Ufer beherrschten sowjetische Maschinengewehre. Diese Überquerungsstelle hatten die Sowjets vorbereitet. Eine Todesfalle war es. Sich eiskalte Wasser stürzten die ersten deutschen Soldaten. Ihmen sofort den Atem raubte die Kälte, ihre Lungen krampften sich zusammen.
Ertranken viele. Ihre schweren Uniformen zogen sie unter die Oberfläche wie Bleiwesten. Innerhalb von Sekunden zu einem eisigen Panzer gefroren die nassen Uniformen. Von sowjetischem Feuer getroffen wurden andere und versanken das Wasser um sie herum rotfärbend. Über das Wasser pfiff Leuchtspurmunition wie tödliche Sternschnuppen.
Aber weiter drängte die Masse. Kein zurückgab es mehr. Den Fluss überquerten tausende Männer, einige schwimmend, andere über wackelige Eisschollen. Blätternd. Eine mittelalterlichen Albtraum glich die Szene: Männer, die schrien, fluchten, beteten, während sie gegen die Strömung und den Tod ankämpften.
An Baumstämmen hielten sich einige fest. Menschenketten bildeten andere, um sich gegenseitig hinüberzuziehen. Doch oft riss die Kette und alle versanken. Am anderen Ufer erwartete sie keine Erlösung, sondern ein neuer Horror. Sowjetische Kavallerie. Auf ihren Pferden ritten Kossackentruppen durch die erschöpften deutschen Kolonnen und hieben mit Sbeln auf alles ein, was sich bewegte.
Wilde Krieger aus dem Süden kannten die Kosacken keine Gnade, ihre Augen glüht vor Kampfeslust. Ein Gemetzel war es. Niedergampelt oder zerhackt wurden Männer, ihre Körper im Schnee verstreut. Doch zurück kämpften die Deutschen. Verteidigungskreise bildeten sie mit letzter Kraft, feuerten mit ihren wenigen verbliebenen Waffen auf die angreifenden Reiter.
Kossacken von ihren Pferden rissen einige Deutsche und erstachen sie mit Bayonetten. Langsam, sehr langsam drängten sie die sowjetischen Kavalleristen zurück. Sich zurückzogen die Kosacken überrascht von der verzweifelten Gegenwehr dieser bereits todgeglaubten Männer. Als der Morgen desbzehn Februar graute, hatten zehntausende Deutsche den Fluss überquert.
Auf beiden Ufern war der Schnee rot von Blut, ein makabres Mosaik aus Tod und Verzweiflung. Im Wasser trieben Leichen, ihre Körper gefroren in grotesken Posen. Aber noch nicht zu Ende war der Ausbruch. Vor ihnen lagen weitere zehn biszehn Kilometer bis zu den deutschen Linien und alle verfügbaren Kräfte mobilisierten die Sowjets, um sie zu stoppen.
Heran rollten sowjetische Panzer. In die deutschen Kolonnen feuerten T34 und schwere KVPzer. Jeder Schuss ein Schrei aus Stahl. Auf die fliehenden Kolonnen konzentrierte Artillerie ihr Feuer. Über dem Schlachtfeld kreisten Tieffflieger und beschossen alles, was sich bewegte. Auf die Menschenmassen stürzten sich Iljuin Sturzkampfbomber.
Ihre Sirenen holten wie Totenglocken. Die deutschen Soldaten rannten, stolperten, krochen durch die verschneite Landschaft. Ihre Waffen warfen viele weg, um schneller zu sein. Das Gewicht zu viel für ihre erschöpften Körper. Liegen blieben andere, zu erschöpft, um weiterzugehen und erfroren im Schnee. Ihre Augen starrten leer in den Himmel.
In einzelne Gruppen zerfiel die Kolonne, die verzweifelt versuchten, die rettenden deutschen Linien zu erreichen. Nur noch für sich selbst kämpfte jeder. Die militärische Ordnung war zusammengebrochen. General Stämmermann fiel während des Ausbruchs von einem sowjetischen Geschoss getroffen, starb er im Schnee, umgeben von seinen Soldaten.
Seine letzten Worte waren: “Kämpft weiter, erreicht die Linien. Die Tragödie der gesamten Operation symbolisierte sein Tod. Der Mann, der 60.000 Männer geführt hatte, würde die Rettung nicht mehr erleben. Im Schnee blieb sein Körper zurück. Gegen Mittag des 17. Februar erreichten die ersten Überlebenden die deutschen Panzer von Breitz Cor.
Von dem Anblick waren die Panzerbesatzungen schockiert, ausgemärgelt, verwundet, traumatisiert, aber lebend. Auf die Panzer taumelten Geister in zerfetzten Uniformen zu. Ihre Gesichter hohl, ihre Augen leer. Von ihren Fahrzeugen sprangen Panzerbesatzungen und halfen den erschöpften Männern. Weinend brachen einige Soldaten zusammen.
Endlich konnten sie ihre Emotionen zeigen. Nur stumm vor sich hin starrten andere, ihre Augen leer von all dem Grauen, das sie gesehen hatten. Noch bis zum Abend des 17. Februar dauerte der Ausbruch an. Die Sicherheit der eigenen Linien erreichten immer mehr deutsche Soldaten. Kleine Gruppen taumelten aus dem Schnee, aber es nicht schafften viele.
Von sowjetischen Truppen überrannt wurden die letzten Gruppen. Bis zur letzten Patrone kämpften einige, dann fielen sie unter sowjetischen Bayonetten. Schließlich ergaben sich andere. Ihre Hände erhoben in stummer Resignation. Bis heute umstritten sind die endgültigen Verluste der Cherkassi Einkesselung. Von etwa 35 000 bis 40.
000 Soldaten sprechen deutsche Quellen, die den Kessel verlassen konnten. Das bedeutet, dass entweder gefallen in Gefangenschaft geraten oder als vermisst galten fast 20.000 bis 25 000 Mann. Noch höher sind die sowjetischen Zahlen. Überzusend Deutsche getötet oder gefangen genommen zu haben, behaupten sie.
Doch was geschah mit jenen, die entkamen? So schwer verwundet oder erfroren waren viele, dass sie in den folgenden Tagen und Wochen starben. Mit Männern füllten sich ganze Feldlazarette, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten. Ohne Pause arbeiteten die Ärzte. Als kampfunfähig eingestuft wurden andere und nach Deutschland evakuiert.
Hastig neu aufgestellt und wieder an die Front geworfen wurden die verbliebenen Kampfeinheiten, als hätte es nie gegeben. Besonders schwere Verluste hatte die SSdivision Wiking erlitten, war aber noch als kämpfende Einheit existent. Ursprünglich etwa 15 000 Mann waren weniger als 8000 übrig. Nach Westen verlegt wurde sie, um sich zu reorganisieren, nur um Monate später erneut in verlustreiche Gefechte geworfen zu werden.
Nie wieder ihre frühere Stärke würde die Division erreichen. General Breit, dessen Panzerchkor den Entsatzversuch unternommen hatte, erhielt das Ritterkreuz für seine Bemühungen. Aber schwer angeschlagen waren auch seine Einheiten. Dutzende Panzer hatte die Operation gekostet. Material, das Deutschland nicht mehr ersetzen konnte.
Ebenfalls schwere Verluste hatten seine Panzergrenadiere erlitten. Einen großen Sieg feierten die Sowjets. Ein bedeutender strategischer Erfolg war die Vernichtung von zwei deutschen Cs. Persönlich lobte Stalin die Kommandeure Watutin und Konjev. In Moskau wurden ihre Namen gefeiert. Doch auch sie hatten einen hohen Preis gezahlt.
Auf etwa 80.000 Mann werden sowjetische Verluste geschätzt. mehr als die Deutschen verloren hatten. Aber für Stalin spielten solche Zahlen keine Rolle. Die Männer und Ressourcen hatte die Sowjetunion, Deutschland nicht. Ein Wendepunkt war die Cherassi Einkesselung. Dass die Wehrmacht zwar noch fähig war, verzweifelte Operationen durchzuführen, aber die strategische Initiative endgültig verloren hatte, zeigte sie.
Nur ein vorübergehendes Aufbäumen gegen den unvermeidlichen Zusammenbruch war jeder Erfolg. Zu einer rein reaktiven Kraft war die Wehrmacht geworden, von einem Befehl zum nächsten getrieben. Ein Trauma, das sie nie überwandten, war Cherassi für die Überlebenden Soldaten. Als schlimmer als Stalingrad beschrieben sie die Operation in Nachkriegserinnerungen.
In Stalingrad hatten wir wenigstens noch Hoffnung bis zum Schluss, sagte ein Veteran Jahre später, seine Stimme brach. In Shakassi wußten wir von Anfang an, daß wir sterben würden. Der zugefrorene Fluß, die Schreie der Ertrinkenden, die angreifenden Kosacken, die Bilder der Nacht verfolgten sie bis zum Renn Lebensende.
Unter schweren psychischen Problemen lten viele Überlebende. Albträume, Angstzustände, Depressionen. Viele dieser Männer als Kriegsgeschädigte erkannte die Bundesrepublik Deutschland später an, doch nie wirklich heilten die psychologischen Wunden. Nie wieder über Cherkassi sprechen konnten manche Veteranen.
Erst Jahrzehnte später fanden andere die Worte. Was also können wir aus dieser Geschichte lernen? Die Grenzen menschlicher Belastbarkeit zeigt die Chakassi Einkesselung. Wozu Menschen fähig sind, wenn sie zwischen tot und verzweifeltem Kampf fehlen müssen, zeigt sie. Und die Sinnlosigkeit von Hitlers Haltebefehlen zeigt sie, die zehntausende Soldaten in aussichtslose Situationen zwangen.
Hätten die deutschen Truppen früher den Rückzug antreten dürfen, wären viele Leben gerettet worden. Sich einig sind Militärhistoriker, den Großteil der Truppen hätte ein organisierter Rückzug Ende Januar retten können. Aber Hitler in seinem WN glaubte, dass ein Verrat an der deutschen Sache war jeder aufgegebene Meter Boden.
Unzählige Leben kostete diese Ideologie nicht nur in Cherkassi, sondern an der gesamten Ostfront. Ebenfalls einen hohen Preis zahlten die sowjetischen Soldaten. Junge Rekruten waren viele von ihnen, die in dieser Schlacht ihre ersten Kampferfahrungen machten. Auch für sie eine Hölle aus Eis und Feuer war Kassi. Das Grauen mit ähnlichen Worten wie die Deutschen beschreiben sowjetische Memoiren.
Heute erinnern nur noch wenige Denkmähler und historische Texte an diese Schlacht. Überwuchert sind die Schlachtfelder, längst vergessen die Gräber. Vereinzelt stehen in der Ukraine Gedenksteine, oft vernachlässigt und überwuchert. Aber bleibt die Geschichte als Mahnung und als Zeugnis dessen, was Menschen einander antun können. Universell ist die Lektion von Sherassi.
Menschenleben kosten Fanatismus und Sturheit. Sie rettet flexible Kriegsführung, aber aus ihren Fehlern lernen Diktatoren selten. Wenn Sie mehr über solche dramatischen Momente der Geschichte erfahren möchten, dann sind Sie hier genau richtig. Yeah.